Ich Liebe Dich | #friedrich

Friedrich über drei weltbeherrschende Wörter

Seit zwei Jahren lebe und arbeite ich nun in Rostock. Im Rahmen meiner Arbeit schreibe ich den Blog der Kreativsaison, um über Menschen, Leben und Arbeiten in Mecklenburg-Vorpommern zu berichten. Mit meinem guten Freund und Schriftsteller Friedrich haben wir eine Kolumne gestartet, in der er sich mit Worten und Gedanken austoben kann. Ich liebe seine sehr emotionale und tiefgründige Art zu schreiben, mit der er mir immer wieder ein Tränchen aus meinen Tränendrüsen stiehlt. Im Januar schreibt er über die Liebe…

Dass drei Wörter – keines länger als fünf Buchstaben – die Welt so beherrschen können, ist faszinierend. Subjekt Prädikat Objekt. Der einfachste Satzaufbau, den wir in der Schule gelernt haben. Obgleich Subjekt Prädikat Subjekt wesentlich schöner klingt. Dieser Satz kann alles bedeuten, Leben retten und zerstören, Glück sprießen lassen und Hass dämpfen. Er hat mehr Macht über viele von uns, als wir uns wünschen und es kommen immens viele Fragen auf, wenn wir ihn sagen wollen.

Ab wann sagt man ihn? Wer sagt ihn zuerst? Wie antwortet man? Mit welcher Antwort rechnet man? In welcher Situation ist es passend und gibt es auch unpassende Situationen? Wie viele Zuhörer darf es geben? Und wo sagt man ihn zum ersten Mal? Im Supermarkt, am Strand, im Bett oder in einem brennenden Haus? Wie oft darf man ihn nach dem ersten Mal sagen? Wann ist zu oft und wann ist zu selten? Und wann sagt man ihn als der, der ihn zuerst hörte, von allein?

Es hat 29 Jahre gedauert bis ich es gesagt habe. Abzüglich der Jahre, die ich nicht sprechen konnte, die, in denen ich diese Wortkombination nicht kannte und die Zeit, in der ich erst deren Bedeutung verstehen musste, war ich also knapp vier Jahre alt. Anders gesagt, habe ich seit vier Jahren ein Bewusstsein, dass mich alle mich zuvor quälenden Fragen hinsichtlich dieser Situation beantworten lässt.

Ich habe es nicht zuerst gesagt, mit dem Standardsatz geantwortet und wollte weinen vor Freude, doch um ehrlich zu sein, war ich mir danach gar nicht so sicher, ob ich überhaupt richtig zugehört habe. Immerhin klingt mein Name diesem Satz schon recht ähnlich und wenn man dann hört, was man hören will, verhört man sich auch mal gern. Ich bin mir dennoch sicher, richtig gehört zu haben und startete meinen ersten Gegenversuch spontan elf Tage später. Und es fühlte sich gut an. Sehr gut sogar. Seitdem kenne ich die Antwort auf all die zuvor gestellten Fragen.

Was allerdings am wichtigsten ist, ist es sich selbst sagen zu können. Ich frage mich, wie ehrlich jeder einzelne von uns in den Spiegel blicken kann und dabei glücklich wird, ohne zu zweifeln, ohne dabei an Vergangenes oder Zukünftiges denken zu müssen und ohne dabei an eine Welt zu denken, die unserer Generation von Disney tagtäglich aufgetischt wurde.

Wenn man also auf dieser Bühne steht und man selbst das eigene Publikum ist, dann sagt euch:
‘Einfach machen. Wird schon.’

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Fotos: Christoph Trabert | www.christophtrabert.com

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